Wie ich Meditation für mich entdeckte

Meditation ist nichts für mich. Das dachte ich zumindest eine sehr lange Zeit. Ich hatte die Vorstellung, dass man beim Meditieren sehr lange stillsitzen muss und an nichts denken soll. Wie soll das gehe? In meinem Kopf sind ständig Gedanken. Niemals werde ich es schaffen, stillzusitzen und nicht zu denken. Wenn ich heute daran denke, muss ich schmunzeln, denn seit dem hat sich viel verändert. Meditationen sind fester Bestandteil meines Lebens und ich nutze sie in so vielen verschiedene Situationen und auch für verschiedene Zwecke. Denn Stillsitzen und nichts denken ist nur eine Form der Meditation. Daneben gibt es sehr viele andere Arten.

Der Body-Scan als Einstieg in die Meditationswelt. 2018 besuchte ich einen MBSR Kurs. Mindfulness Based Stress Reduction = Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion.  Ich war auf der Suche nach einer Methode mit der ich den Stress in meinem Leben reduzieren konnte. Mein Sohn war damals knapp 1 Jahr alt und ich hatte wieder angefangen zu arbeiten und war ständig unter Anspannung. Zum Glück wusste ich nicht, was mich erwartet, sonst hätte ich den Kurs wahrscheinlich nicht gebucht. (Das trifft übrigens für sehr viele Dinge in meinem Leben zu). Ein entscheidendes Element vom MBSR ist nämlich die geführte Meditation, insbesondere der Body-Scan. Wir hatten die Meditation mit nach Hause bekommen und sollten sie für 6 Wochen jeden Tag eine halbe Stunde machen. Anfangs dachte ich, das schaffe ich doch nie.

Aller Anfang ist schwer. Mit der Einstellung Meditation ist nichts für mich und wie soll ich eine halbe Stunde lang nichts tun und mich auf eine Stimme und meinen Körper konzentrieren, war es natürlich schwer von Anfang an ein großer Fan der Meditation zu werden. Aber ich hatte den Kurs ja nun mal gebucht und dann kann ich es zumindest versuchen. Also legte ich mich hin und schaltet die Meditation an. Nach nur wenigen Worten hörte ich die Stimme in meinem Kopf “Was machst du hier? Was für eine Zeitverschwendung! Du solltest besser die Wäsche zusammenlegen, statt hier rumzuliegen.” Was glaubst du wie lange konnte ich dieser Stimme, die ständig dazwischen plapperte widerstehen? Richtig, nicht lange. Nach nur wenigen Minuten schaltete ich also die Meditation wieder aus und widmete mich der Wäsche.

Selbsterfüllende Prophezeiung oder das, was du denkst, ist wahr. Am nächsten Tag klingelte wieder mein Handy, denn ich hatte eine Erinnerung eingespeichert, die mich an die Meditation erinnern sollte. Denn ich sollte die Übung ja täglich machen. Nach der nicht so guten Erfahrung vom Vortag, war meine Motivation natürlich nicht besonders hoch und ich sagte mir, wenn’s nicht geht, dann mache ich sie halt wieder aus. Ich legte mich also wieder hin und folgte den Anweisungen der Stimme meine Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Körperteile zu lenken. Die Fußsohle und Zehen habe ich noch mitgekriegt, doch dann wanderten meine Gedanken woanders hin und ich nahm die Stimme erst wieder war, als sie schon bei der Hüfte war. Ich hatte die kompletten Beine verpasst. Egal, ich höre dann einfach ab der Hüfte konzentriert zu. Doch meine Gedanken schweiften wieder ab und ich schaltet es dann wieder ab. Ich hab’s ja gesagt: Meditation ist nichts für mich.

Mit der richtigen Absicht kleine Meilensteine erreichen . Auch am nächsten Tag klingelte mein Handy um mich an den Body-Scan zu erinnern und ich überlegte ernsthaft, ob ich es nochmal versuchen sollte. Ich tat es trotzdem und nahm mir vor 5 Minuten “durchzuhalten”. (Zur Erinnerung: die eigentliche Übung dauert 30 Minuten). Ich nahm mir dieses Mal fest vor, jedes Mal, wenn ich einen Gedanken habe und mich dabei ertappe, dass ich denke, würde ich den Gedanken bewusst beiseite schieben. Mit dieser festen Absicht verliefen die 5 Minuten recht gut. Ich bin seltener mit den Gedanken auf Wanderschaft gegangen und konnte mich tatsächlich wieder “zurückholen”, sobald ich es merkte.

Dranbleiben und nicht aufgeben führt zum Ziel. Auch die folgenden Tage steckte ich mir kleine Ziele. Ich dehnte die Meditationszeit aus auf 7 und später auf 10 Minuten. Nach einer Woche war ich stolz auf mich, denn ich hatte tatsächlich jeden Tag meditiert. Ich war zwar noch weit davon entfernt 30 Minuten am Stück aufmerksam durch meinen Körper zu reisen, doch der Anfang war getan. Ich übte nun etwas motivierter und schaffte bald 15 Minuten und dann 20. Irgendwann merkte ich, dass ich immer mehr von der Übung mitbekam und meine Gedanken immer seltener abschweiften. Irgendwann hatte ich tatsächlich den kompletten Body-Scan geschafft. Ab da war es dann keine Frage mehr der Zeit, sondern nur, wie schaffe ich meine Aufmerksamkeit bei meinem Körper zu behalten und meine Gedanken zu ignorieren.

Übung macht den Meister. Nach den 6 Wochen habe ich verstanden, warum der Kurs 6 Wochen gedauert hat und warum es so wichtig ist wirklich jeden Tag zu üben. Das was ich vorher nicht für mich für möglich gehalten hatte, ist wirklich passiert. Ich konnte mich eine halbe Stunde am Stück auf eine geführte Meditation einlassen und wurde nur selten von störenden Gedanken abgelenkt.

Meditations-Kurs für Anfänger. Gerade für Anfänger kann Meditation am Anfang eine große Hürde sein. Aus diesem Grund konzipiere ich derzeit einen Online-Kurs in dem ich das Meditieren zeige, so wie ich es gelernt habe. In kleinen Schritten und mit kurzen Meditationen. Für Kopfmenschen, deren Gedanken ihnen einfach keine Ruhe lassen. Für Ungeduldige, die es sofort können wollen, jedoch erkennen, dass es Zeit und Übung bedarf. Für Neugierige, die sich auf das Abenteuer Meditation einlassen wollen. Denn Meditation ist noch so viel mehr. Doch darüber schreibe ich ein anderes Mal.

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